Frieder Anders | Vom Inneren zum Äußeren Taiji – oder: Wie die Innere Kraft verlorenging

Vom Inneren zum Äußeren Taiji – oder: Wie die Innere Kraft verlorenging

Mein Lehrer, Großmeister K.H.Chu, lehrte mich, das „Innere“, ursprüngliche Taiji von „Äußerem“ Taiji zu unterscheiden. Inneres Taiji (Taijiquan) war im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert die berühmteste Kampfkunst in China. Die Kunst bestand darin, nicht zu kämpfen, sondern den Angreifer abprallen zu lassen, ihn zu entwurzeln. In den Äußeren Kampfkünsten ging es dagegen um Schlagkraft und Reaktionsgeschwindigkeit.

Die Attribute Inneres und Äußeres sind, bezogen auf die Kampfkünste, keine Bewertungen, sondern bezeichnen die Art und Weise, wie die Kraft entwickelt und trainiert wird:

Frieder Anders | Einen dicken Fisch ans Land ziehen

Einen dicken Fisch ans Land ziehen

Es war einmal ein Fischer, der war ein Meister seiner Kunst. Jedes Mal, wenn er aufs Meer hinausfuhr und sein Netz auswarf, gingen ihm die schönsten, dicksten Fische hinein und er und seine Familie litten nie Hunger, weil sie selbst davon essen und die übrigen auf dem Markt verkaufen konnten… Die geneigte Leserin, der geneigte Leser hat es schon geahnt: Es geht um Taiji. Speziell geht es um Yang-Stil Taiji in der Tradition von Meister Yang Chengfu (1883-1936). Alle Zeugnisse belegen: Er beherrschte die Kunst, ein Netz zu knüpfen, das einen ausgesprochen dicken Fisch an Land ziehen konnte – die Jin-Kraft, das Wesentliche des Inneren Taiji.

Frieder Anders | Die eigenen Anlagen entwickeln

Die eigenen Anlagen entwickeln

Jetzt sind es schon über 10 Jahre, dass wir in der Taiji Akademie mit den Atemtypen arbeiten, also die Bewegungsabläufe und Stellungen in zwei Varianten praktizieren und unterrichten.

Das Spannende am Atemtyp ist, dass er den Körper prägt, angefangen bei der Körperhaltung und -bewegung. Wenn das Ausatmen die starke Phase der Atmung eines Menschen ist (er braucht es gar nicht zu merken) wird der Körper  von der abwärts gerichteten Ausrichtung der Ausatemmuskulatur geprägt. Folglich stehen Ausatmer  im Taiji leicht nach vorn geneigt.  Einatmer werden dagegen vom aufsteigenden Einatem als ihrer starken Phase getragen. Sie  stehen aufrecht. Das ist auch ohne Wissenschaft nachvollziehbar. Wer es einmal gespürt hat, weiß: Gemäß dem eigenen Atemtyp zu stehen, fühlt sich „richtig“ an.