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Die zehn Prinzipien des Tai Chi Chuan nach Yang Chengfu – neu dargestellt für beide Atemtypen in 10 Videos

02. Oktober 2026 | Frieder Anders | Die zehn Prinzipien des Tai Chi Chuan nach Yang Chengfu – neu dargestellt für beide Atemtypen in 10 Videos

Kommentiert von Meister Frieder, Großmeister der 6. Generation im Yang-Familienstil

Du übst Tai-Chi. Die Bewegungen stimmen. Und trotzdem entsteht keine innere Kraft. Der Grund liegt selten in der Form, sondern in den Prinzipien, die darunter wirken.

Wer sich ernsthaft mit Tai-Chi beschäftigt, stößt früher oder später auf die ›Zehn Prinzipien der Kunst des Tai Chi Chuan‹ von Yang Chengfu. Seit rund hundert Jahren gelten sie als Richtschnur für die korrekte Ausführung, und kaum ein Lehrer, gleich welcher Linie, kommt an ihnen vorbei. (Mit ›Tai-Chi‹ meine ich hier immer Tai Chi Chuan, die Kampfkunst, nicht den philosophischen Begriff.)

In meiner neuen Videoreihe kommentiere ich die Zehn Prinzipien Punkt für Punkt, und zwar im Licht der Atemtypen. Denn meiner Erfahrung nach gibt es nicht einen Weg zur inneren Kraft, sondern zwei.

Yang Chengfu – der Meister, der den Yang-Stil groß machte

Yang Chengfu (1883–1936), 3. Generation der Yang-Familie, gilt als bekanntester Tai-Chi-Meister im China des 20. Jahrhunderts. Zeitgenossen berichten von einer inneren Kraft, die man nicht sah, aber sofort spürte, sobald man ihn berührte. Und er verbreitete den Yang-Stil in ganz China: Er lehrte an vielen Orten jeweils nur kurz, seine Schüler unterrichteten weiter, und so wurde der Yang-Stil zum bekanntesten Stil des Landes und später der Welt.

Das hatte zwei Seiten. Nach 1911 kam Tai-Chi erstmals in die Öffentlichkeit, nachdem es zuvor den Gründerfamilien und wenigen Auserwählten vorbehalten war. Doch dabei verflachte das ›innere Tai-Chi‹. Weitergegeben wurde vor allem die äußere Form, die Abfolge der Bewegungen. Die Geheimnisse der inneren Kraft, die diese Bewegungen trägt, blieben oft auf der Strecke.

Genau hier setzen die Zehn Prinzipien an. Sie sind kein Regelwerk für die äußere Form, sondern ein Weg nach innen, Schritt für Schritt. Gehen wir ihn gemeinsam.

Punkt 1: Den Kopf aufrecht und entspannt halten

Alles beginnt mit der Aufrichtung. Nach oben.

Nicht durch Ziehen. Nicht durch Spannung.

Sondern durch eine feine innere Ausrichtung.

Der Kopf ist leicht. Der Körper folgt.

Doch wie du dich aufrichtest, hängt von deinem Atemtyp ab: von oben nach unten oder von unten nach oben. Welcher Weg deiner ist, zeige ich dir im Video.

Punkt 2: Den Brustkorb leicht einziehen, den Rücken heben

Dann ordnet sich der Oberkörper.

Die Brust gibt nach. Der Rücken trägt.

Der Atem kann sich setzen.

Und zum ersten Mal entsteht eine echte Verbindung zwischen Struktur und Bewegung.

Punkt 3: Die Taille (Lenden) lockern

Damit das funktioniert, braucht dein Körper eine Mitte. Ein Zentrum.

Wenn deine Lenden fest sind, bleibt alles getrennt.

Erst wenn sich das Zentrum löst, beginnt sich der Körper zu verbinden.

Punkt 4: Voll und leer unterscheiden

Jetzt kommt das Gewicht ins Spiel.

Oft ist es nicht klar. Du stehst zwischen beiden Beinen. Verteilst. Sicherst.

Aber genau dadurch wird die Bewegung schwer.

Erst wenn du voll und leer wirklich trennst, wird sie leicht.

Und auch hier gibt es zwei Wege. Der eine verwurzelt sich über die Ballen, der andere holt seine Kraft aus den Fersen. Im Video findest du heraus, welcher dich trägt.

Punkt 5: Schultern und Ellbogen sinken lassen

Aber noch gibt es Blockaden. In den Schultern.

Sie halten fest. Ziehen hoch. Und damit unterbrechen sie alles.

Wenn sie sinken, öffnet sich der Weg.

Punkt 6: Die Vorstellung nutzen, nicht rohe Kraft

Und dann der grundlegendste Fehler: Du benutzt Kraft.

Genau in diesem Moment verlierst du das, worum es im Tai-Chi eigentlich geht.

Die Bewegung entsteht nicht aus den Muskeln, sondern aus der Vorstellung.

Wer das nicht versteht, bleibt im Äußeren.

Punkt 7: Oben und unten folgen einander

Doch selbst dann fehlt oft etwas.

Dein Körper arbeitet nicht als Einheit. Oben macht etwas. Unten etwas anderes.

Im Tai-Chi aber geht alles zusammen.

Die Bewegung beginnt unten. Und zeigt sich oben

Punkt 8: Innen und außen miteinander verbinden

Dann wird es tiefer.

Innen und außen beginnen zusammenzuarbeiten. Vorstellung. Atem. Bewegung.

Sind sie getrennt, wirkt nichts.

Kommen sie zusammen, entsteht innere Kraft.

Punkt 9: Die Bewegungen kontinuierlich und ohne Unterbrechung ausführen

Jetzt beginnt die Bewegung zu fließen.

Aber nicht gleichförmig, sondern lebendig.

Mit einem Rhythmus. Einem Wechsel. Einem Puls.

Fehlt er, bleibt alles flach.

Dieser Puls ist dein Atem: eine Phase führst du aktiv, die andere geschieht von selbst. Ob deine Kraft im Einatmen oder im Ausatmen liegt, erfährst du im Video.

Punkt 10: In der Bewegung die Ruhe suchen

Und dann erreichst du den letzten Punkt.

Du bewegst dich. Aber innen wird es ruhig.

Nicht, weil du langsamer wirst, sondern weil sich alles im Zentrum sammelt.

Genau dort beginnt Tai-Chi wirklich.

Alles davor war Vorbereitung.